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HeiENTEC | Das C-N-P-Verfahren in der modernen Abwasserbehandlung
Mikroschadstoffe sind winzige, aber wirkungsstarke Substanzen im Abwasser: Sie stammen aus Medikamenten, Kosmetika, Reinigungsmitteln, Pflanzenschutzmitteln oder Industriechemikalien und liegen oft nur in millionstel Gramm pro Liter vor. Dennoch können sie in dieser Konzentration messbare Effekte auf Wasserorganismen haben und die Trinkwasseraufbereitung erschweren.
Die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) reagiert darauf mit einem Paradigmenwechsel: Erstmals werden europaweit verbindliche Vorgaben zur Entfernung solcher Mikroschadstoffe eingeführt. Geplant ist eine stufenweise Nachrüstung einer vierten Reinigungsstufe in großen und ausgewählten mittelgroßen Kläranlagen zwischen 2033 und 2045, wobei in sensiblen Gebieten bereits Anlagen ab 10.000 Einwohnerwerten betroffen sein können. Ziel ist eine durchschnittliche Reduktion der Mikroschadstoff-Fracht um etwa 44 Prozent in der EU.
In der Praxis kommen vor allem zwei Verfahren zum Einsatz: Ozonung und Aktivkohleadsorption. Bei der Ozonung wird dem zuvor biologisch gereinigten Abwasser Ozon als starkes Oxidationsmittel zugesetzt, das viele organische Spurenstoffe chemisch aufspaltet. Bei der Aktivkohleadsorption werden die Schadstoffe an Pulver- oder Granulataktivkohle gebunden und anschließend aus dem Wasser entfernt. Häufig werden beide Verfahren kombiniert, um ein breites Spektrum an Substanzen zu erfassen und die geforderten Abbaugrade zu erreichen.
Die Einführung der vierten Reinigungsstufe ist technisch anspruchsvoll und mit erheblichen Investitionen verbunden. Umso wichtiger ist es, dass die vorgeschalteten Reinigungsstufen – insbesondere die biologische Stufe – stabil und energieeffizient arbeiten. Eine gut eingestellte Biologie mit sicherer Stickstoff- und Phosphorelimination sorgt für konstante Ablaufwerte und geringere Schwankungen, was die Auslegung und den Betrieb von Ozonanlagen oder Aktivkohlesystemen deutlich erleichtert.
Genau hier können Optimierungsansätze wie das C‑N‑P‑Konzept ansetzen: Durch eine gezielte Steuerung der Mikroorganismen und des Nährstoffhaushalts lässt sich der Sauerstoffbedarf reduzieren, die Ablaufqualität verbessern und der Chemikalienverbrauch senken. Für Betreiber bedeutet das: Sie schaffen die notwendige „Hausaufgaben-Basis“, bevor sie in komplexe vierte Reinigungsstufen investieren – und reduzieren gleichzeitig die langfristigen Betriebs- und Energiekosten.